Veröffentlicht am Mai 11, 2024

Die wahre Faszination Ihres Chronographen liegt nicht in einer einzelnen Funktion, sondern im Verständnis seiner mechanischen Seele und der damit verbundenen Besitzer-Kultur.

  • Die Komplexität des Uhrwerks mit hunderten Teilen erklärt, warum eine Revision deutlich teurer ist als bei einfachen Uhren.
  • Design-Elemente wie das „Panda-Dial“ sind nicht nur ästhetisch, sondern wurzeln in funktionalen Prinzipien der Ablesbarkeit.
  • Korrektes Wissen über Pflege, Wasserdichtigkeit und sogar Trage-Etikette ist entscheidend für den Werterhalt und die Freude an der Uhr.

Empfehlung: Sehen Sie die Tachymeter-Skala als Einstiegspunkt, um die verborgene Technik, die Design-Codes und die Pflegeregeln zu entdecken, die Ihre Uhr zu einem Meisterwerk machen.

Viele Besitzer eines Chronographen tragen ein technisches Wunderwerk am Handgelenk, nutzen es aber im Alltag oft nur als schlichte Uhrzeit-Anzeige. Die prominenteste, aber am seltensten genutzte Funktion ist dabei meist die Tachymeter-Skala auf der Lünette. Man weiss, sie ist da, vielleicht hat man einmal gelesen, dass sie etwas mit Geschwindigkeit zu tun hat, aber im Alltag bleibt sie unberührt. Die Bedienung wirkt kompliziert und der praktische Nutzen fraglich. Starten, stoppen, ablesen – das ist der simple technische Ablauf, um eine Durchschnittsgeschwindigkeit über eine bekannte Distanz (meist einen Kilometer) zu messen. Doch diese Funktion ist nur die Spitze des Eisbergs.

Dieser Artikel geht bewusst einen Schritt weiter. Wir werden die Tachymeter-Funktion als Ausgangspunkt nehmen, um in die tiefere Welt Ihres Chronographen einzutauchen. Denn die wahre Freude und der Wert einer solchen Uhr entfalten sich erst, wenn man ihre innere Logik, ihre technischen Eigenheiten und die Kultur, die sie umgibt, versteht. Als Ihr persönlicher Uhren-Techniker führe ich Sie hinter die Kulissen: Wir entschlüsseln, warum die „mechanische Seele“ einer Uhr so fasziniert, auch wenn sie ungenauer ist als jede Quarzuhr. Wir analysieren Kosten, Design-Phänomene und die kleinen, aber entscheidenden Fehler, die Sie unbedingt vermeiden sollten. Betrachten Sie dies als die ultimative Betriebsanleitung, nicht nur für eine Funktion, sondern für die gesamte Faszination Ihres Zeitmessers.

Dieser Leitfaden ist so aufgebaut, dass er die häufigsten und wichtigsten Fragen von Uhrenliebhabern beantwortet. Jeder Abschnitt widmet sich einem spezifischen Aspekt Ihres Chronographen, um Ihnen ein umfassendes Besitzer-Wissen zu vermitteln.

Schleichende Sekunde: Warum fasziniert das mechanische Werk trotz Ungenauigkeit?

Eines der ersten Merkmale, das Kenner an einer mechanischen Uhr begeistert, ist die schleichende Sekunde. Anders als der ruckartige Sekundensprung einer Quarzuhr gleitet der Zeiger hier in winzigen Schritten (meist sechs bis acht pro Sekunde) über das Zifferblatt. Diese fliessende Bewegung vermittelt den Eindruck eines lebendigen Organismus, eines mechanischen Herzschlags. Es ist der sichtbare Beweis für das komplexe Zusammenspiel von hunderten winzigen Teilen: von der Unruh, die schwingt, über das Ankerrad bis hin zum Räderwerk. Diese mechanische Seele ist es, die eine tiefe emotionale Verbindung zur Uhr schafft.

Ironischerweise geht diese Faszination Hand in Hand mit einer relativen Ungenauigkeit. Während eine Quarzuhr nur wenige Sekunden pro Monat abweicht, liegt die typische Genauigkeit mechanischer Uhren laut aktuellen Messungen bei etwa +/- 3 bis 5 Sekunden pro Tag. Für manche mag das wie ein Defekt klingen, doch für Liebhaber ist es Teil des Charakters. Eine mechanische Uhr ist kein steriles Präzisionsinstrument wie ein Atomuhr-Empfänger, sondern ein meisterhaft gefertigtes Stück Handwerkskunst, das von Faktoren wie Temperatur, Position und Erschütterungen beeinflusst wird. Diese „Unvollkommenheit“ macht sie menschlicher und erfordert eine Interaktion mit ihrem Besitzer – das regelmässige Stellen der Uhr wird zu einem kleinen Ritual.

Letztlich ist es genau dieser Gegensatz, der die Magie ausmacht: eine Technologie, die objektiv überholt ist, aber durch ihre Komplexität, Ästhetik und Lebendigkeit eine unvergleichliche Anziehungskraft ausübt. Man kauft keine mechanische Uhr für die perfekte Zeitmessung, sondern für das Erlebnis und die Wertschätzung der Ingenieurskunst.

Warum kostet die Revision eines Chronographen doppelt so viel wie bei einer Dreizeigeruhr?

Jeder Besitzer einer mechanischen Uhr kennt die Empfehlung: Alle paar Jahre sollte eine Revision durchgeführt werden, um die Funktion und den Wert des Zeitmessers zu erhalten. Doch während die Kosten für eine einfache Dreizeigeruhr noch überschaubar sind, erleben viele Chronographen-Besitzer bei der ersten Kostenschätzung eine böse Überraschung. Der Preis ist oft doppelt so hoch, wenn nicht sogar noch mehr. Der Grund dafür liegt nicht in willkürlicher Preisgestaltung, sondern in der schieren mechanischen Komplexität des Uhrwerks.

Eine simple Automatikuhr besteht bereits aus vielen Einzelteilen, doch ein Chronograph fügt dem Basiswerk ein komplettes zusätzliches Modul für die Stoppfunktion hinzu. Dies erhöht die Anzahl der Komponenten drastisch. Wie eine Studie zur Komplexität von Uhrwerken zeigt, besteht eine einfache Automatikuhr aus rund 60 Teilen. Bei einem Chronographen wie von Omega steigt die Teilezahl signifikant, was die Revisionskosten von 550 Euro auf 750 Euro anhebt. Jeder einzelne Hebel, jedes zusätzliche Zahnrad und jede Feder muss vom Uhrmacher demontiert, gereinigt, inspiziert, geölt und wieder exakt justiert werden. Dieser Aufwand ist exponentiell höher.

Detailaufnahme eines zerlegten Chronographenwerks mit sichtbaren Komponenten

Die visuelle Darstellung eines zerlegten Chronographenwerks macht diese Komplexität sofort begreiflich. Man erkennt Dutzende von zusätzlichen Hebeln und Federn, die für das Starten, Stoppen und Zurücksetzen der Stoppuhr verantwortlich sind. Der folgende Vergleich deutscher Servicepreise verdeutlicht den Unterschied in konkreten Zahlen:

Vergleich der Revisionskosten in Deutschland (Beispiel Sinn Spezialuhren)
Uhrentyp Sinn Preis ChronoRestore ab
3-Zeiger-Automatik 290€ 289€
Chronograph 590€ 389€
Chronograph Lemania 925€

Diese Preisstruktur, die sich bei fast allen Herstellern findet, ist eine direkte Folge der gesteigerten Arbeitszeit und des höheren Risikos bei der Handhabung der filigranen Bauteile. Eine Revision ist somit kein einfacher Ölwechsel, sondern eine vollständige Restaurierung der mechanischen Seele Ihrer Uhr.

Die Investition in eine regelmässige, professionelle Revision sichert nicht nur die Funktionstüchtigkeit, sondern ist die beste Massnahme zum Werterhalt Ihres komplexen Zeitmessers. Sie ist die notwendige Pflege für ein Stück hochkomplexer Feinmechanik.

Panda-Dial: Warum ist das schwarz-weisse Zifferblatt so begehrt?

In der Welt der Chronographen gibt es wenige Designs mit einem so hohen Wiedererkennungswert wie das „Panda-Dial“. Die klassische Variante – ein weisses oder silbernes Hauptzifferblatt mit schwarzen Totalisatoren (den kleinen Hilfszifferblättern) – erinnert an das Gesicht eines Pandas und hat sich zu einem ikonischen Merkmal entwickelt. Doch seine Beliebtheit ist kein reiner Zufall oder eine modische Laune. Sie wurzelt in einem fundamentalen Prinzip des Designs: der funktionalen Ästhetik.

In den 1960er Jahren, dem goldenen Zeitalter der Motorsport-Chronographen, war die schnelle und fehlerfreie Ablesbarkeit der Stoppzeit entscheidend. Der hohe Kontrast zwischen dem hellen Hauptzifferblatt und den dunklen Totalisatoren ermöglichte es Rennfahrern, die gemessenen Minuten und Stunden auf einen Blick zu erfassen, ohne von der normalen Uhrzeit abgelenkt zu werden. Das Design war also primär ein Werkzeug, dessen Form seiner Funktion folgte. Dieser Ansatz erinnert stark an die Prinzipien des deutschen Bauhaus-Designs, bei dem Klarheit und Reduktion im Vordergrund stehen. Matthias Stotz, Direktor der Uhrenfabrik Junghans, fasst diese Philosophie treffend zusammen:

Das Design von Max Bill unterscheidet sich durch seine Klarheit und Reduktion. Die Typografie der Uhren mit nummerierten Zifferblättern, klar gerundet und ohne Verzierung, zeigt die typische Handschrift des Bauhaus-geschulten Künstlers.

– Matthias Stotz, Direktor Uhrenfabrik Junghans GmbH & Co. KG

Obwohl das Zitat sich auf Max Bill bezieht, ist der Geist übertragbar. Das Panda-Dial ist die motorsportliche Interpretation dieses Bauhaus-Gedankens. Die Ästhetik ergibt sich direkt aus dem Streben nach maximaler Funktionalität. Heute, wo die Stoppfunktion für die meisten Besitzer eine untergeordnete Rolle spielt, bleibt die Faszination für das Panda-Dial ungebrochen. Es signalisiert eine Verbindung zur Geschichte des Motorsports, zu einer Zeit, in der eine Uhr ein unverzichtbares Instrument war. Es ist ein Symbol für Leistung, Präzision und ein klares, selbstbewusstes Design-Statement.

Die Begehrtheit des Panda-Zifferblatts zeigt eindrucksvoll, dass wahres Design mehr ist als nur Dekoration. Es ist die perfekte Verschmelzung von Form und Funktion, die über Jahrzehnte hinweg relevant und attraktiv bleibt.

Der Fehler unter Wasser: Warum dürfen Sie die Drücker niemals beim Schwimmen betätigen?

Moderne Chronographen werden oft mit einer Wasserdichtigkeit von 10 bar (ca. 100 Meter) oder mehr beworben. Das vermittelt ein Gefühl von Sicherheit und Robustheit, das viele Besitzer dazu verleitet, ihre Uhr bedenkenlos beim Schwimmen oder sogar bei leichten Wassersportarten zu tragen. Doch genau hier lauert eine der häufigsten und teuersten Fehlbedienungen: das Betätigen der Chronographen-Drücker unter Wasser. Dies führt fast unweigerlich zu einem Wassereinbruch und potenziell katastrophalen Schäden am Uhrwerk.

Der Grund dafür ist physikalischer Natur. Die Dichtungen an den Drückern und der Krone sind dafür ausgelegt, statischem Druck standzuhalten. Das bedeutet, sie dichten ab, solange sie in ihrer Ruheposition sind. Sobald Sie jedoch einen Drücker unter Wasser betätigen, entsteht ein winziger Spalt. Der Wasserdruck von aussen ist in diesem Moment um ein Vielfaches höher als der Druck im Inneren des Gehäuses, und das Wasser wird förmlich in die Uhr hineingepresst. Selbst ein kurzer Druck genügt, um Feuchtigkeit eindringen zu lassen, die dann im Inneren zu sofortiger Korrosion an den filigranen Stahlteilen des Werks führt.

Nur sehr wenige, hochspezialisierte Taucher-Chronographen sind so konstruiert, dass ihre Drücker auch unter Wasser bedienbar sind. Für 99% aller Standard-Chronographen gilt dies jedoch nicht. Das richtige Verhalten im und am Wasser ist daher ein entscheidender Teil des Wissens eines verantwortungsvollen Uhrenbesitzers. Um Schäden zu vermeiden, sollten Sie die folgenden Punkte unbedingt verinnerlichen.

Sicherheits-Checkliste für Ihren wasserdichten Chronographen

  1. Drücker niemals unter Wasser betätigen – die Dichtungen sind nur für statischen Druck ausgelegt.
  2. Wasserdichtigkeit nach DIN 8310 verstehen: 10 bar bedeutet Schwimmen und Duschen, nicht aber 100 Meter Tauchtiefe.
  3. Nach Kontakt mit Chlor- oder Salzwasser: Die Uhr stets gründlich mit Süsswasser abspülen.
  4. Jährliche Dichtigkeitsprüfung bei häufigem Wasserkontakt (besonders bei Taucheruhren) vom Fachmann durchführen lassen.
  5. Bei Verdacht auf Wasserschaden (z.B. Kondenswasser unter dem Glas): Sofort zum Uhrmacher bringen, um Korrosion zu stoppen.

Denken Sie immer daran: Die Wasserdichtigkeit einer Uhr ist keine dauerhafte Eigenschaft. Dichtungen altern und werden spröde. Ein verantwortungsvoller Umgang und regelmässige Wartung sind der beste Schutz für die Langlebigkeit Ihres Zeitmessers.

Warum sind automatische Chronographen so hoch und passen sie unter die Manschette?

Ein häufiger Kritikpunkt an automatischen Chronographen ist ihre beachtliche Bauhöhe. Während eine elegante Dreizeigeruhr oft flach am Handgelenk liegt und mühelos unter die Hemdmanschette gleitet, wirken viele Chronographen wuchtig und bleiben gerne am Stoff hängen. Diese Eigenschaft ist keine Design-Schwäche, sondern eine direkte Konsequenz der komplexen Mechanik im Inneren. Die typische Bauhöhe automatischer Chronographen ist ein Kompromiss, der aus ihrer Konstruktion entsteht.

Die meisten automatischen Chronographenwerke basieren auf einer „Sandwich“-Bauweise. Man nimmt ein bewährtes, flacheres Basis-Automatikkaliber (das für die normale Zeitmessung zuständig ist) und setzt darauf ein separates Chronographen-Modul. Diese Methode ist wirtschaftlicher und einfacher zu entwickeln als ein von Grund auf integriertes Werk. Der Nachteil: Es addiert unweigerlich mehrere Millimeter in der Höhe. Während eine typische Dreizeigeruhr zwischen 8 und 11 mm hoch ist, beträgt die typische Bauhöhe automatischer Chronographen im Vergleich zu 8-11mm bei Dreizeigeruhren oft 13 bis 16 mm oder sogar mehr. Diese zusätzlichen Millimeter machen den entscheidenden Unterschied aus, ob eine Uhr noch als „dress watch“ durchgeht oder klar in die Kategorie der „sportlichen“ Uhren fällt.

Ob ein solcher Chronograph unter die Manschette passt, hängt letztlich von drei Faktoren ab:

  • Die exakte Bauhöhe der Uhr: Modelle mit integrierten Werken (wie das El Primero von Zenith oder neuere Manufakturkaliber) sind oft flacher.
  • Das Design des Gehäuses: Abgeschrägte Kanten und ein gewölbtes Glas können eine Uhr optisch und haptisch flacher wirken lassen.
  • Die Weite der Hemdmanschette: Masshemden bieten hier oft mehr Spielraum als Konfektionsware.

Am Ende ist die Wahl eine persönliche Präferenz. Wer einen Chronographen als täglichen Begleiter auch zum Anzug tragen möchte, sollte bei der Auswahl gezielt auf die Bauhöhe achten und Modelle anprobieren. Für viele Liebhaber ist die markante Präsenz am Handgelenk aber auch ein Teil des Reizes, der den sportlichen Charakter ihrer Uhr unterstreicht.

Warum trocknet Ionen-Technologie das Haar schneller und schonender?

Die Fokussierung auf intelligente, oft unsichtbare Technik zur Lösung eines Problems ist kein reines Privileg der Uhrmacherei. Ein faszinierender Technik-Transfer lässt sich in einem völlig anderen Bereich beobachten: bei hochwertigen Haartrocknern. Viele moderne Geräte werben mit „Ionen-Technologie“, doch was verbirgt sich dahinter und warum ist es mehr als nur ein Marketing-Schlagwort? Das Prinzip ist ebenso clever wie effektiv und zielt, ähnlich wie eine gute Uhr, auf eine Verbesserung von Funktion und Schutz ab.

Beim normalen Föhnen entsteht durch die heisse Luft und die Reibung eine positive statische Aufladung im Haar. Die einzelnen Haare stossen sich gegenseitig ab, was zu „fliegendem“ Haar und Frizz führt. Hier setzt die Ionen-Technologie an. Ein im Haartrockner integrierter Generator erzeugt negativ geladene Ionen und gibt sie mit dem Luftstrom ab. Diese Ionen neutralisieren die positive Aufladung im Haar. Der Effekt: Die Haaroberfläche wird geglättet und die Haare legen sich wieder an.

Darüber hinaus hat dies einen weiteren, entscheidenden Vorteil: Die negativ geladenen Ionen spalten die grossen Wassertropfen im nassen Haar in winzige Mikro-Tröpfchen auf. Diese kleineren Tröpfchen können schneller verdunsten, was die Trocknungszeit signifikant verkürzt. Eine kürzere Trocknungszeit bedeutet, dass das Haar weniger lange der heissen Luft ausgesetzt ist, was es vor Hitzeschäden und Austrocknung schützt. Die Stiftung Warentest untersuchte die Wirksamkeit dieser Technologie und kam zu positiven Ergebnissen. In einem Test erhielt der Braun Satin Hair 7 mit IONTEC-Technologie im aktuellen Test die Gesamtnote 2,0 („gut“), wobei die speziell zum Schutz der Haargesundheit entwickelte Funktion positiv hervorgehoben wurde.

Genau wie beim Chronographen, wo mechanische Raffinessen für eine präzise Funktion sorgen, sind es hier physikalische Gesetze, die ein alltägliches Gerät in ein schonendes und effizientes Pflege-Werkzeug verwandeln. Es ist der Triumph der unsichtbaren, aber wirkungsvollen Ingenieurskunst.

Smartwatch vs. Klassiker: Wann wirkt eine digitale Uhr im Meeting unprofessionell?

Die Wahl der Armbanduhr ist längst nicht mehr nur eine Frage der Zeitmessung, sondern auch ein starkes nonverbales Signal. Insbesondere im beruflichen Kontext kann die Uhr am Handgelenk viel über den Träger, seine Werte und seine Prioritäten aussagen. Während die Smartwatch im Alltag durch ihre Funktionalität besticht, kann sie in bestimmten professionellen Situationen, vor allem in konservativen Branchen in Deutschland, als unpassend oder sogar unprofessionell wahrgenommen werden. Es geht um die ungeschriebenen Regeln der Trage-Etikette.

Geschäftsmann mit klassischer Armbanduhr in professionellem Umfeld

Das zentrale Problem der Smartwatch im Meeting ist ihr Potenzial zur Ablenkung. Ein aufleuchtendes Display, eine eingehende Nachricht oder eine subtile Vibration signalisieren unweigerlich, dass die Aufmerksamkeit des Trägers geteilt ist. Sie ist ein Tor zur digitalen Welt in einem Moment, der volle Konzentration auf das Gegenüber erfordert. Eine klassische, mechanische Uhr hingegen sendet ein völlig anderes Signal: Sie ist ein in sich geschlossenes Objekt, dessen einziger Zweck in diesem Kontext die diskrete Anzeige der Zeit ist. Sie steht für Beständigkeit, Wertschätzung von Handwerk und – am wichtigsten – für Fokussierung auf den gegenwärtigen Moment.

Diese Wahrnehmung ist in Deutschland kulturell tief verankert. In Branchen wie dem Bankwesen, der Unternehmensberatung oder in Kanzleien wird besonderer Wert auf traditionelle Professionalität gelegt. Eine Smartwatch kann hier als Bruch mit diesen ungeschriebenen Codes interpretiert werden. Ein Experte für deutsche Geschäftsetikette fasst dies prägnant zusammen:

In konservativen deutschen Geschäftsumfeldern, besonders in Frankfurter Banken, wird eine aufleuchtende Smartwatch als Zeichen von Unaufmerksamkeit interpretiert, während eine klassische Uhr Fokussierung signalisiert.

– Business-Knigge Deutschland, Geschäftsetikette im deutschen Mittelstand

Die Wahl einer klassischen Uhr für ein wichtiges Meeting ist somit kein Luddismus, sondern eine strategische Entscheidung. Sie kommuniziert Respekt, Konzentration und ein Bewusstsein für die subtilen Codes des professionellen Miteinanders.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Wert eines Chronographen liegt in seiner mechanischen Komplexität, die Wissen über Wartung und Pflege erfordert.
  • Design ist nicht nur Optik: Elemente wie das Panda-Dial haben funktionale Wurzeln, die auf maximale Ablesbarkeit abzielen.
  • Die richtige Handhabung (z.B. keine Drückerbetätigung unter Wasser) und das Wissen um soziale Codes (klassische Uhr vs. Smartwatch) sind entscheidend für den verantwortungsvollen Uhrenbesitzer.

Rhodinieren vs. Polieren: Welche Folgekosten entstehen bei Weissgold im Vergleich zu Platin?

Für viele Uhrenliebhaber ist die Wahl des Gehäusematerials eine ebenso wichtige Entscheidung wie die Wahl des Uhrwerks. Besonders im Luxussegment stehen oft zwei weisse Edelmetalle zur Auswahl: Weissgold und Platin. Auf den ersten Blick sehen sie für den Laien fast identisch aus, doch in ihren Materialeigenschaften und vor allem bei den langfristigen Folgekosten für die Pflege unterscheiden sie sich fundamental. Dieses Wissen ist entscheidend, um eine informierte Kaufentscheidung zu treffen.

Weissgold ist keine reine Goldlegierung, sondern besteht aus Gelbgold, dem Weissmetalle wie Palladium oder Nickel beigemischt werden, um es aufzuhellen. Dennoch behält es fast immer einen leichten Gelbstich. Um den strahlend weissen, silbernen Glanz zu erzielen, wird die Uhr am Ende des Herstellungsprozesses mit einer hauchdünnen Schicht aus Rhodium überzogen. Dieser Vorgang wird Rhodinieren genannt. Das Problem: Diese Schicht nutzt sich durch das Tragen ab, und nach ein bis drei Jahren kommt der wärmere, gelbliche Grundton des Weissgolds wieder zum Vorschein. Um den ursprünglichen Look wiederherzustellen, muss die Uhr neu rhodiniert werden, was mit Kosten verbunden ist.

Platin hingegen ist von Natur aus ein weisses Metall. Es benötigt keine Beschichtung. Kratzer, die im Laufe der Zeit entstehen, führen bei Platin nicht zu einem Materialverlust, sondern nur zu einer Materialverschiebung. Diese über die Jahre entstehende, matte Oberfläche wird von Kennern als Patina geschätzt und als Teil des Charakters der Uhr angesehen. Wer den ursprünglichen Glanz wiederherstellen möchte, kann die Uhr polieren lassen. Da kein Material aufgetragen werden muss, ist dieser Service oft günstiger und seltener notwendig als eine Rhodinierung. Die folgende Tabelle fasst die Unterschiede zusammen:

Vergleich der Wartungskosten von Weissgold und Platin
Material Wartungsintervall Kosten pro Service Besonderheiten
Weissgold Alle 2-3 Jahre 150-300€ Rhodinierung Gelbstich ohne Rhodium
Platin Alle 5-7 Jahre 100-200€ Polieren Natürlich weiss, Patina erwünscht

Die Entscheidung zwischen Weissgold und Platin ist also mehr als eine Frage des Budgets beim Kauf. Es ist eine Entscheidung über den Charakter der Uhr und die Bereitschaft, in regelmässige Pflege zu investieren, um ihr Aussehen zu erhalten, oder eine Uhr zu wählen, die in Würde altert und ihre eigene Geschichte erzählt.

Häufige Fragen zu Edelmetall-Uhren

Warum wird Weissgold gelb?

Weissgold ist eine Legierung aus Gelbgold mit Weissmetallen. Die Rhodiumschicht, die für den kühlen weissen Glanz sorgt, nutzt sich mit der Zeit ab. Dadurch kommt der natürliche, leicht gelbliche Farbton der Goldlegierung wieder zum Vorschein.

Ist Platin kratzfester als Gold?

Nein, entgegen der landläufigen Meinung ist Platin ein weicheres Metall als Goldlegierungen. Kratzer entstehen leichter, aber sie führen bei Platin lediglich zu einer Verschiebung des Materials, nicht zu einem Verlust. Diese Spuren des Tragens werden als Patina bezeichnet und von vielen geschätzt.

Wie oft muss rhodiniert werden?

Die Häufigkeit hängt stark von den Tragegewohnheiten ab. Bei einer täglich getragenen Uhr kann eine neue Rhodinierung bereits nach einem Jahr notwendig sein. Bei seltenerem Tragen kann die Schicht auch zwei bis drei Jahre oder länger halten.

Geschrieben von Konstantin von Berg, Gemmologe und Uhrenexperte aus Pforzheim mit Fokus auf Luxusgüter und Wertanlagen. Spezialist für Edelsteinkunde, Edelmetalle und die Feinmechanik hochwertiger Chronographen.